Unweit der Kirche des heiligen Wenzel in der Strasse Resslova gab es einen uralten Brunnen. Von weit und breit kamen Leute zu dem Brunnen und glaubten, sein Wasser könnte sie heilen.
Es wird erzählt, dass zu Zeiten, als ein grosser Teil des heutigen Prag noch mit tiefen Wäldern bedeckt war, Fürst Wenzel, der nach seinem Tode heilig gesprochen wurde, sich auf die Jagt begab. Er ritt durch die Gegend, wo Karl IV. später die Neustadt gründete. Dort, wo heute Autos lärmen und Strassenbahnen rattern, hallten die Jagdfanfaren der Hornbläser... Fürst Wenzel soll besonders gern dieses Moldauufer gegenüber der Prager Burg besucht haben.
Einmal brachten ihn seine Hunde auf die Spur einer Beute, Der Fürst hörte das Bellen und ritt den Hunden hinterher. aus einem Gestrüpp sprang ein Hirsch hervor und flüchtete vor der Meute, die ihm hinterher hetzte.
Der Fürst verfolgte nun den Hirsch. Der Hirsch stolperte über eine Wurzel und fiel zu Boden, sprang jedoch sofort auf und lief weiter. Der Fürst bemerkte, dass der Hirsch einen Stein umgekippt hatte, unter dem eine Quelle zum Vorschein kam, und er befahl seinem Gefolge, den Hirsch laufen zu lassen.
Er beugte sich über die Quelle und beschloss, an der Stelle einen Brunnen zu errichten. Das Wasser, das Fürst Wenzel statt des Hirschen ergattert hatte, hatte lieblichen Geschmack, war kristallklar und heilsam.
So schenkte der Fürst dem Hirschen das Leben und vielen Leuten den Brunnen...
